Laufhaus, Salon oder Club? Die Etablissement-Typen der Schweiz im Überblick 2026
Wer sich zum ersten Mal mit dem Schweizer Rotlicht beschäftigt, stolpert schnell über eine verwirrende Begriffsvielfalt: Laufhaus, Salon, Saunaclub, FKK, Kontaktbar, Wohnungsbordell, Cabaret. Alle meinen ungefähr dasselbe – und doch stehen sie für sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle, Abläufe und Atmosphären. Dieser Guide sortiert die Begriffe, erklärt die Unterschiede sachlich und ordnet sie in die Schweizer Rechts- und Marktrealität von 2026 ein.
Vorweg das Wichtigste: In der Schweiz ist Sexarbeit legal. Sie gilt als anerkannte Erwerbstätigkeit, und wie sie ausgeübt werden darf, regeln die Kantone – nicht der Bund. Genau deshalb sieht das Milieu in Zürich anders aus als in Bern, Genf oder St. Gallen, und deshalb tragen die Betriebe je nach Region auch andere Namen.
Warum es «das eine Bordell» nicht gibt
«Bordell» ist im Grunde ein Sammelbegriff. Darunter fallen ganz verschiedene Betriebsformen, die sich vor allem in drei Punkten unterscheiden: im Serviceniveau, im Publikum und im Ambiente. Dazu kommt ein oft übersehener, aber entscheidender vierter Punkt – das Geschäftsmodell zwischen Betrieb und Sexarbeiterin. Ob jemand nur Miete zahlt oder einen Prozentsatz der Einnahmen abgibt, prägt einen Betrieb stärker als jede Deko.
Eine breit rezipierte Studie zum Schweizer Rotlichtmilieu zählte rund 902 Betriebe landesweit – Salons, Saunaclubs, Kontaktbars und Escortservices zusammengenommen. Täglich arbeiten in diesem Umfeld etwa 4700 Sexarbeiterinnen, allein rund 1452 im Kanton Zürich, dem mit Abstand grössten Markt. Bemerkenswert: Ein Grossteil dieser Betriebe wird von Frauen geführt. Der Ausdruck «Puffmutter» kommt nicht von ungefähr.
Der Salon – das Schweizer Standardmodell
Wenn in der Schweiz von einem Etablissement die Rede ist, ist meistens der Salon gemeint. Er ist hierzulande die verbreitetste Form und oft schlicht eine diskret geführte Wohnung oder ein kleines Ladenlokal, in dem eine oder mehrere Personen arbeiten. Der Salon steht für Privatsphäre: kein grosser Publikumsbetrieb, sondern ein überschaubarer Rahmen, häufig nach Voranmeldung oder Terminvereinbarung.
Salons reichen vom Massagesalon über die klassische Wohnung bis zu grösseren Häusern mit mehreren Zimmern. Genau in dieser Kategorie greift eine praxisrelevante Schweizer Feinheit: In mehreren Kantonen gilt ein Kleinstbetrieb, in dem etwa nur ein bis zwei Personen in maximal zwei Räumen arbeiten, als bewilligungsfreies Kleingewerbe. Grössere Salons brauchen dagegen eine Betriebsbewilligung. So entstand die typische Schweizer Struktur vieler kleiner, unabhängiger Salons statt weniger Grossbordelle.
Das Laufhaus – bekannter aus Deutschland und Österreich
Das Laufhaus ist ein Modell, das man eher aus Deutschland und Österreich kennt als aus der Schweiz. Das Prinzip: Ein Haus mit vielen einzelnen Zimmern, in denen Sexarbeiterinnen jeweils ein Zimmer mieten. Besucher gehen die Gänge entlang («laufen»), die Türen stehen offen, Kontakt und Konditionen werden direkt an der Zimmertür ausgehandelt.
Der zentrale Unterschied zum klassischen Bordell liegt in der Ökonomie: Im Laufhaus zahlen die Frauen eine feste Tages- oder Zimmermiete und behalten danach ihre Einnahmen vollständig. In anderen Modellen fliesst dagegen häufig ein prozentualer Anteil an den Betrieb. Laufhäuser bieten typischerweise keine Gastronomie und keine Events – es geht nicht um Verweildauer, sondern um Frequenz. Für Sexarbeiterinnen bedeutet das Modell hohe Selbstständigkeit und volle Kalkulationshoheit, aber auch das unternehmerische Risiko, die Fixmiete zuerst einspielen zu müssen.
In der Schweiz überschneidet sich dieses Konzept stark mit dem grösseren Salon, weshalb der Begriff «Laufhaus» hier seltener fällt – die Sache selbst existiert aber durchaus.
Saunaclub und FKK – Verweilen statt Vorbeischauen
Der Saunaclub (auch FKK-Club oder Kontaktsauna) funktioniert nach einer völlig anderen Logik. Statt kurzer Besuche steht hier das Verweilen im Zentrum. Gäste zahlen einen pauschalen Eintritt und nutzen dafür einen Wellnessbereich mit Sauna, Whirlpool, Ruhezonen und oft Gastronomie – alkoholfreie Getränke und Speisen sind im Eintritt meist inbegriffen.
Wichtig zur Einordnung: Der Eintrittspreis deckt die Anlage, nicht die sexuellen Dienstleistungen. Diese werden weiterhin individuell mit der jeweiligen Person vereinbart und separat bezahlt. Das Ambiente ist club- oder resortartig, das Publikum bleibt länger, die Stimmung ist geselliger als im diskreten Salon. FKK-Clubs im deutschen Stil sind in der Schweiz seltener als im grenznahen Ausland, weshalb Schweizer Interessierte für dieses Format teils über die Grenze fahren.
Kontaktbar, Cabaret und Dancing – wenn der Abend im Vordergrund steht
Zwischen Salon und Club liegt die Welt der Kontaktbar. Hier steht zunächst der Barbetrieb im Vordergrund: Man trinkt etwas, kommt ins Gespräch, und der Übergang zu einem Angebot ergibt sich aus der Situation. In Zürich etwa sind Kontaktbars ein fester Bestandteil des Rotlichts, neben Massagesalons, Saunaclubs und Cabarets.
Begriffe wie Cabaret oder Dancing bezeichnen Betriebe, in denen Unterhaltung, Tanz und Barbetrieb im Zentrum stehen. Nicht jedes Cabaret ist automatisch ein Ort sexueller Dienstleistungen – die Grenzen sind fliessend und hängen vom einzelnen Haus ab. Für Besucher heisst das: Bei diesen Formaten zählen Atmosphäre und Abend genauso viel wie ein konkretes Angebot.
Wohnungsbordell und Escort – die diskreten Enden des Spektrums
Am privaten Ende steht das Wohnungsbordell: eine unauffällige Wohnung, in der eine oder wenige Personen arbeiten. Von aussen ist nichts erkennbar, der Kontakt läuft über Inserate und Terminvereinbarung. Für viele Sexarbeiterinnen ist diese Form attraktiv, weil sie maximale Kontrolle über Umfeld, Zeiten und Klientel bietet.
Der Escortservice schliesslich verlagert das Ganze aus dem festen Etablissement heraus: Die Begegnung findet dort statt, wo der Kunde ist – im Hotel oder zu Hause. Auffällig ist ein struktureller Trend: In Städten wie Zürich verschiebt sich das Gewerbe zunehmend in Hotels, Massagesalons und Privatwohnungen, weg von der klar sichtbaren Strasse. Digitale Vermittlung über Plattformen und Inserate hat die klassische Laufkundschaft in vielen Segmenten abgelöst.
Der entscheidende Unterschied: Miete oder Prozent
Wer die Betriebstypen wirklich verstehen will, sollte weniger auf die Fassade und mehr auf das Abrechnungsmodell schauen. Vereinfacht gibt es zwei Pole:
- Mietmodell (Laufhaus, viele Salons, Wohnungsbordell): Feste Miete für Zimmer oder Arbeitsplatz, die Einnahmen behält die Sexarbeiterin. Hohe Autonomie, aber Fixkostenrisiko.
- Beteiligungs- oder Eintrittsmodell (Teil der Clubs): Der Betrieb finanziert sich über einen Anteil an den Umsätzen oder über Eintrittspauschalen und Gastronomie. Weniger Fixkostenrisiko, aber geringere Marge pro Begegnung.
Dieses Detail entscheidet über die tatsächlichen Arbeitsbedingungen weit mehr als das Label an der Tür. Es erklärt auch, warum viele erfahrene Sexarbeiterinnen bewusst zwischen den Modellen wechseln, je nach Lebensphase, Standort und Nachfrage.
Rechtsrahmen 2026: föderal und kantonal
Die Schweizer Besonderheit bleibt die kantonale Regulierung. Der Kanton Zürich etwa stellt seit Inkrafttreten der Prostitutionsgewerbeverordnung (PGVO) 2013 hohe Anforderungen an Betreiber; in der Stadt Zürich werden mehrere tausend Personen der Szene registriert, ausdrücklich auch Bar- und Empfangspersonal. Der Kanton Bern regelt das Gewerbe über ein eigenes Prostitutionsgewerbegesetz mit Betriebsbewilligung und Registerblatt. Andere Kantone verlangen eine Voranmeldung bei der Kantonspolizei.
Für Besucher heisst das konkret: Was legal, angemeldet und wo erlaubt ist, hängt von der Region ab. Für Betreiber und Sexarbeiterinnen bedeutet es einen realen administrativen Aufwand – von der Bewilligung bis zur Sozialversicherung. Dass das Thema 2026 auch gesellschaftlich präsent ist, zeigt die mehrmonatige Videoinstallation «Sexarbeit – Erfahrungen Schweiz», die das Landesmuseum in Zürich im Juli 2026 eröffnet hat: ein Zeichen für die zunehmende Entstigmatisierung und Sichtbarkeit der Branche.
Fazit: Namen sind Wegweiser, keine Garantien
Laufhaus, Salon, Club, Kontaktbar oder Escort beschreiben unterschiedliche Erlebnisse und Arbeitsformen – vom diskreten Kurzbesuch bis zum geselligen Clubabend. In der Schweiz dominiert der Salon, der Saunaclub im FKK-Stil ist seltener, und vieles wandert ins Private und Digitale. Wer sich orientieren will, achtet am besten auf drei Dinge: das gewünschte Ambiente, die kantonale Rechtslage und die Seriosität des konkreten Betriebs.
Denn am Ende sagt der Name nur, welches Modell dahintersteht – nicht, ob es das richtige für den eigenen Besuch ist. Entdecke geprüfte Adressen, Etablissements und Angebote nach Region auf Rotlichtadressen.ch und finde das Format, das zu dir passt.
Quellen: Prostitution in der Schweiz – Wikipedia, Watson: Die Schweiz hat 902 Bordelle, Aargauer Zeitung: 902 Bordelle in der Schweiz, Aargauer Zeitung: Wohin das Sexgewerbe verschwindet, Stadt Bern: Sexarbeit, Kontaktsauna – Wikipedia.
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